Infektionen des Nasen- Rachen-Raums

Mittelohrentzündungen (Otitis media)

Nicht selten entsteht aus einer akuten Mittelohrentzündung bei bestimmter Veranlagung eine häufig wiederkehrende Verlaufsform. Normalerweise wird das Mittelohr über eine Röhre vom Rachenraum aus belüftet. Beim Schlucken öffnet sich die Röhre kurzzeitig und ein Luft-und Druckaustausch kann stattfinden. Wichtig ist, zu untersuchen, ob eine Allergie vorliegt, die eine Schwellung im Nasenrachenraum verursacht oder ob andere Faktoren, wie z. B. vergrößerte Rachenmandeln, die Ursache sind.

Im Zuge der Entzündung kann das Trommelfell in manchen Fällen sogar reißen und das Sekret wird im äußeren Gehörgang sichtbar. Das "laufende Ohr" wird häufig von besonders resistenten Bakterien verursacht. Auch der Einsatz von Röhrchen in das Trommelfell, die die Belüftung im Mittelohr verbessern sollen, führt nicht immer zum Erfolg. Das kann daran liegen, dass sich auf dem Kunststoff der Röhrchen eine Art „Film“ bildet, in dem verschiedene Bakterien überleben, die die Infektion unterhalten.

Kommen Unverträglichkeiten bei den Patienten gegenüber den normalerweise wirksamen Antibiotika hinzu, sollte eine individuelle Immuntherapie erwogen werden. Welche Bakterien solchen Verläufen zugrunde liegen, kann durch eine sorgfältige Probengewinnung aus dem Ort der Infektion festgestellt werden.

Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)

Bei einem Infekt verlegt die geschwollene Nasenschleimhaut die Öffnungen der Nasennebenhöhlen. Der Schleim, der sich in den Höhlen sammelt, dient als Nährboden für Bakterien. Durch einen Zustrom von Serum und weißen Blutkörperchen erhöht sich der Druck in der verlegten Höhle, was Schmerzen verursacht. Das Gebiet über der betroffenen Nebenhöhle ist druckempfindlich und geschwollen. Je nach Lage kann es zu Schmerzen des Oberkiefers, der Zähne, des Bereiches zwischen den Augen und der Stirn oder generell zu Kopfschmerzen kommen.

Bei einer chronischen Kieferhöhlenentzündung sollten auch die Zähne geröntgt werden, um einen Abszess als Ursache auszuschließen. Auch hier kann eine Allergie eine Rolle spielen, die durch ständige Schwellung der Nasenschleimhaut zu der Minderbelüftung der Nasennebenhöhlen mit beiträgt.

Wer laufend oder mehrfach im Jahr unter einer Entzündung der Nasennebenhöhlen leidet, muss entweder immer wieder Antibiotika nehmen, oder ist ständig mit Inhalationen und der Einnahme von Schleimlösern und ätherischen Ölen beschäftigt. Möglicherweise muss er oder sie sogar immer wieder auf den Gebrauch von abschwellenden Nasensprays zurückgreifen, um überhaupt schlafen zu können. Letzteres ist auf die Dauer schädlich. Schmecken und Riechen wird durch die Entzündung beeinträchtigt, viele fühlen sich dauernd müde und abgeschlagen.

Vor diesem Hintergrund liefert eine Studie an 292 Kindern einen interessanten Therapieansatz. Die Kombination einer üblichen Therapie mit einer individuellen Immuntherapie ergab bei 88 % der Teilnehmer dieser Gruppe ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis.

Mandelentzündungen (Tonsillitis)

Sehr häufig werden Mandelentzündungen durch Streptokokken der Gruppe A verursacht. Diese Bakterien möchte man gern aus dem Körper entfernen, weil sie unangenehme und gefährliche Erkrankungen nach sich ziehen können. Sie können z. B. Herzmuskelentzündung, Herzklappenschäden, Gelenkentzündungen, Mandelabszesse, Lungenentzündung und Hautentzündungen hervorrufen.

Die Mandelentzündung wird aber nicht nur von den gefürchteten Streptokokken verursacht. In den Abstrichen vereiterter Mandeln werden eine Reihe verschiedenartiger Bakterien gefunden. Viele Mandelentzündungen werden auch primär durch Virusinfektionen hervorgerufen, auf die sich erst zusätzlich Bakterien-Infektionen aufsetzen. Der Bakterienbefall ist in Form weißer Belege oder vereiterter Krypten an den Mandeln sichtbar und erfordert eine antibiotische Behandlung. Meistens führt diese Behandlung innerhalb weniger Tage zur Abheilung. In einigen Fällen tritt aber nach wenigen Wochen das gleiche Bild erneut auf. Die Ursache dieser Rückfälle ist nicht geklärt. Wenn die Mandeln zwischenzeitlich nicht operativ entfernt werden, kann sich dieser Ablauf bis ins Erwachsenenalter wiederholen.

Da es nicht möglich ist, vom klinischen Bild auf den Erreger bzw. dessen Resistenz zu schließen, ist für eine exakte Diagnose eine mikrobiologische Untersuchung unerlässlich. Sofern z. B. wiederholt Staphylokokken im Mandelabstrich nachgewiesen werden, kann eine individuelle Immuntherapie auf Basis dieses Erregers zu nachhaltiger Besserung führen und eine Entfernung der Mandeln umgehen.

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